Wanderblogger im Interview #3: Gert von gipfelrast.at

Die Wanderblogger im Interview-Reihe geht weiter! Heute kommt Gert von gipfelrast.at zu Wort! Gert ist ein sehr erfahrener (Weit-)Wanderer, der auf seinem Blog bereits über 500 Tourenberichte veröffentlicht hat.

Heute im Interview: Gert von gipfelrast.at

Auf gipfelrast.at bloggt Gert seit 2009 über seine Leidenschaft: Weitwandern. Er ist seit seiner Kindheit in der Natur aktiv und kennt daher die steirische Bergwelt wie seine Westentasche. Mit gipfelrast.at möchte er den Lesern Lust aufs ‚draußen‘ machen und anregen, das Land zu Fuß zu erkunden. Er ist geprüfter Wanderführer und engagiert sich ehrenamtlich in der Sektion Weitwanderer des Österreichischen Alpenvereins.

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1. Wann und wie bist du zum (Weit-)Wandern gekommen?

Es war eigentlich ganz klassisch, schon als Kind war ich viel mit meinen Eltern in der Natur, auf den Bergen unterwegs. Ab einem Alter von etwa 15 Jahren waren dann – oh Wunder! – andere Dinge interessanter, auch wenn die eine oder andere Wanderung immer wieder dabei war.

Da auf meinem Alpenvereinsausweis 2002 als Beitrittsjahr vermerkt ist, wird es wohl gegen Ende meiner Zwanziger gewesen sein, dass ich die Liebe zum Wandern, zu den Bergen wiederentdeckt habe. Das war wohl auch die Zeit, als mir das erste Mal Bücher über die österreichischen Weitwanderwege in die Hände gefallen sind. Diese Wege, welche quer durch ganz Österreich verlaufen (als Beispiel sei der Nordalpenweg vom Neusiedlersee zum Bodensee genannt) haben mich sofort fasziniert.

Im August 2007 war es dann eine sehr spontane Entscheidung, gleich ‚morgen‘ von Graz nach Mariazell zu marschieren. Nicht als Wallfahrt, sondern einfach um mehrere Tage lang zu Fuß unterwegs zu sein und eine Strecke zurückzulegen, die man sonst selbstverständlich mit dem Auto fährt. Seit damals bin ich endgültig vom Weitwandervirus infiziert und nun werden die Mehrtagestouren von Jahr zu Jahr länger und häufiger.

2. Was ist für dich das Besondere am (Weit-)Wandern?

Es ist die Langsamkeit der Bewegung. Man kann wesentlich mehr Eindrücke aufnehmen, wenn man mit geringer Geschwindigkeit durch die Landschaft geht. Gegenden, die ich vom Autofahren her gut zu kennen glaubte, habe ich durch das Weitwandern komplett neu erlebt. Auch wenn es nicht gerade wie ein Werbeslogan klingt, Weitwandern ist für mich Geographieunterricht im Zeitlupentempo. Geh‘ durch dein Land, um es richtig kennenzulernen!

Eine einsame Zeltnacht am Hirzberg

3. Was war deine bisher schönste (Weit-)Wanderung?

Ui, schwierig. Wenn ich jetzt schon eine Tour herauspicken muss, möchte ich den John Muir Trail nennen. Dieser beginnt im Yosemite Nationalpark und führt 350 Kilometer lang durch die kalifornische Sierra Nevada. Sein südliches Ende erreicht man am Mount Whitney, dem höchsten Berg der Vereinigten Staaten außerhalb Alaskas.

Die Landschaft ist einfach großartig und man lernt eine Abgeschiedenheit kennen, die es in Mitteleuropa in dieser Form nicht mehr gibt. Ich war 19 Tage lang unterwegs, in der zweiten Hälfte gibt es keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten oder Unterkünfte, d.h. neben der gesamten Zeltausrüstung mussten auch 9 Tage Essen im Rucksack Platz finden und diese auch bärensicher verstaut werden.

Obwohl man am John Muir Trail eine Höhe von über 4400 Metern erreicht, gilt der Weg als relativ einfach, von der Länge einmal abgesehen.

Thousand Islands Lake – Ein Highlight am John Muir Trail

4. Wo möchtest du unbedingt einmal eine (Weit-)Wanderung machen?

Die Liste ist lang, Pacific Crest Trail, Continental Divide Trail (beide USA), Te Araroa Trail (Neuseeland) sind klassische Fernwanderziele und stehen weit oben auf der Wunschliste.

Vorerst möchte ich aber die 10 Österreichischen Weitwanderwege absolvieren, die allesamt das Land von Nord nach Süd oder von Ost nach West durchqueren. Fünf davon (sowie einige Teilstrecken) habe ich bereits in der Tasche, die anderen kommen nach und nach dran.

5. Wie sieht deine Tourvorbereitung aus?

Meist sieht man mich stundenlang über Wanderkarten brüten. Nichts erzeugt bei mir soviel Vorfreude, als eine Route ganz genau zu studieren, Etappen zu planen, schöne Gipfel herauszusuchen. Natürlich kommen da auch viele elektronische Helferleins zum Einsatz, etwa der Tourenplaner von alpenvereinaktiv.

6. Welche Ausrüstung darf bei keiner Wanderung fehlen?

Was wirklich immer dabei ist, ist eine Wanderkarte. Und hier – im Gegensatz zur Tourenvorbereitung – ganz old school aus Papier. Der Grund ist die von nicht elektronischen Gadgets nicht schlagbare ‚Displaygröße‘. Übersicht und Details gleichzeitig zu haben ist für mich ein wesentlicher Mehrwert gegenüber Handy App & Co. Zudem braucht eine Papierkarte keinen Strom.

7. Hast du Tipps für (Weit-)Wanderanfänger?

Achte auf dein Gewicht, aber übertreibe es nicht. Ich meine natürlich das Gewicht deines Rucksackes. Ich habe schon Wanderer gesehen, die auf der Hütte ein riesiges Frotteebadetuch nebst großer Flasche Duschbad aus dem Rucksack gezogen haben. Überlege, welche Dinge du wirklich brauchst und ob sie das Gewicht wert sind. Auch das andere Extrem – man liest von abgesägten Zahnbürsten oder aus IKEA-Taschen genähten Rucksäcken – halte ich nicht für zielführend. Die Dinge sollen zwar leicht sein, primär aber funktional bleiben.

Auch sensible Nasen können ein paar Tage mit dem selben T-Shirt unterwegs sein. Und Essen lässt sich auf Hütten kaufen und muss nicht tagelang durch die Gegend getragen werden.

8. Wie kam es zur Idee von gipfelrast.at?

Schon bevor gipfelrast.at Ende 2009 das Licht der Welt erblickt hat, habe ich an verschiedenen Stellen im Netz Tourenberichte verfasst. Diese wollte ich damals lediglich an einem Ort sammeln und zugreifbar machen. Und das Baby ist gewachsen und gewachsen, dass gipfelrast.at später einmal über 500 Tourenberichte umfassen wird, war damals noch nicht absehbar.

Am Südalpenweg – Im Hintergrund die Dolomiten

9. Hast du Vorbilder, was das Wandern oder Bloggen angeht?

Nein, eigentlich nicht. Es wäre natürlich gelogen wenn ich sage, dass ich nie und nimmer die Blogberichte anderer Wanderer als Inspiration für meine Vorhaben hernehme. Und es gibt wirklich viele lesenswerte Blogs da draußen… Aber grundsätzlich mach ich mein Ding. Hike your own hike!

10. Inwiefern hat Wandern dein Leben verändert?

Schwer zu sagen, da ich ja immer schon gewandert bin. Aber grundsätzlich sorgt es natürlich für einen guten Ausgleich, da sich die körperlichen Betätigungen im Beruf ja auf das Herumschieben der Maus beschränken.

P.S. Offensichtlich habe ich am John Muir Trail das falsche Essen eingepackt. Denn die Bären haben sich überhaupt nicht dafür interessiert, kein einziges Mal habe ich nächtlichen Besuch bekommen. Mir hat‘s trotzdem geschmeckt… 😉

Danke für das Interview, lieber Gert!

Die wunderschönen Fotos wurden von gipfelrast.at bereitgestellt.

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