Wanderblogger im Interview #7: Bernhard von BernSicht

Im Rahmen der Wanderblogger im Interview-Reihe kommt heute Bernhard von BernSicht zu Wort. Bernhard lebt in Wien und ist schon viel gereist und gewandert. Nach einer Dokumentation über den Rheinsteig hat ihn das Weitwanderfieber gepackt und seitdem ist er vor allem auf verschiedenen Weitwanderwegen unterwegs.

Heute im Interview: Bernhard von BernSicht

Mein Name ist Bernhard, ich lebe in Österreichs Hauptstadt Wien. Wegen der oft schlechten Luftqualität zieht es mich hinaus in die Natur und an ruhige Orte in den Alpen. Meist bin ich auf Weitwanderwegen mehrere Tage unterwegs sowie auch auf Tagestouren, wenn sie sich mit öffentlichen Verkehrsmiteln gut organisieren lassen. Davon habe ich bisher stets in Internetforen und auf meinem privaten Facebook-Account für Freunde berichtet.

Seit Anfang 2017 betreibe ich meinen Blog BernSicht. Der Blogname leitet sich aus meinem Vornamen und – weil ich gerne auf Berggipfeln stehe – aus dem Begriff „Fernsicht“ ab. Der Blog ermöglicht es mir auch, ein Publikum außerhalb meines Freundeskreises zu erreichen und mit diesem zu kommunizieren. Die Themen im Blog sollen das (Weit-)Wandern und das Reisen sein. Ob sich das Schreiben über Letzteres zeitmäßig ausgeht, muss sich erst noch erweisen.

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1. Wann und wie bist du zum Wandern gekommen?

Wandern mochte ich schon als Kind gerne. Bei den Wanderungen bzw. Wanderurlauben mit der Familie war ich stets der, der immer weiter und immer höher gehen wollte, auch wenn das für uns eigentlich völlig unrealistisch war. Im frühen Erwachsenenalter war dann vorerst Schluss damit. Gemeinsam mit der Familie war nicht mehr und um selbst etwas auf die Beine zu stellen, fehlten mir die Mitwanderer. Alleine loszuziehen kam mir damals nicht in den Sinn. Dafür entdeckte ich das Reisen als Freizeitbeschäftigung neu. Ich wollte unbedingt die Welt sehen. Ich bereiste mit der Zeit beinahe alle Regionen dieser Welt und gewann viele neue Eindrücke.

Und Österreich? Mangels eines eigenem fahrbaren Untersatzes und wegen meines Unwillens, mit dem Reisebus durch das Land zu fahren, nahm ich mir vor, meine Heimat zu Fuß kennenzulernen. Da traf es sich sehr gut, dass ich im Herbst 2008 im TV eine Doku über den Rheinsteig – einen Weitwanderweg – sah. Das war wie eine Initialzündung für mich und ich habe gleich einmal nach Vergleichbarem in Österreich gegoogelt. Ich wurde rasch fündig und bin seither regelmäßig auf den großen zehn österreichischen Weitwanderwegen unterwegs. Auch den Österreichischen Jakobsweg, welcher von Wolfsthal bis nach Rankweil führt, habe ich schon (beinahe) vollständig begangen. Zwischendurch schiebe ich aber auch immer wieder einmal eine Tagestour ein.

Maria Plain – Aussicht auf die Stadt Salzburg

2. Was ist für dich das Besondere am Wandern?

Ich arbeite auf einem Flughafen, wo immer etwas los ist und immer alles sehr schnell gehen muss. Wegen der meist herrschenden Hektik und weil ich in einer Großstadt wohne, suche ich bei ausreichender Freizeit am liebsten ruhige Orte auf. Da kommt mir das Wandern im Wald oder auf grünen Almböden sehr gelegen, um wieder vom Stress runterzukommen. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich zu Fuß viele interessante Plätze erreiche, die ich sonst nicht sehen würde. Als Hobbyfotograf suche ich derartige Orte natürlich sehr gerne auf.

3. Was war deine bisher schönste Wanderung?

Da gibt es mehrere, die ich auf eine Stufe heben würde: Zum einen die Längs-überschreitung des Hochschwabmassivs, zum anderen die Durchwanderung des Nationalparkes Gesäuse von der Sulzkaralm über die Hesshütte nach Johnsbach und wieder hinauf zur Mödlinger Hütte. Das alles liegt am Nordalpenweg und auf diesem gab’s für mich auch noch ein drittes Highlight, nämlich das Ausseerland rund um den Loser im westlichen Toten Gebirge.

Das alles soll jetzt aber die Attraktivität der anderen Regionen oder Weitwanderwege nicht schmälern. Ganz im Süden war ich z.B. noch gar nicht unterwegs, vom Hineinschnuppern bei Mallnitz einmal abgesehen.

Altaussee und gleichnamiger See mit Sarstein

4. Wo möchtest du unbedingt einmal eine Wanderung machen?

Sehr gerne würde ich einmal jenen Weg begehen, der mich zum Weitwandern gebracht hat – also den Rheinsteig in Deutschland. Seit letztem Jahr haben es mir aber auch das französische Zentralmassiv und die Pyrenäen angetan. Zu Fuß das Nordkap zu erreichen (von welchem Ausgangspunkt auch immer) oder von dort loszumarschieren finde ich auch sehr reizvoll. Die österreichischen Weitwanderwege brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen.

5. Wie sieht deine Tourvorbereitung aus?

Längere Touren bereite ich bereits in den Wintermonaten davor in groben Zügen vor, sobald der ÖBB-Fahrplan veröffentlicht ist. Damit weiß ich schon einmal, was am ersten Tourentag möglich ist. Auch die Webadressen von Hütten und Talgemeinden speichere ich ab, damit bei der Vorbereitung alles schnell abrufbar ist. Damit hab ich dann Infos über Öffnungszeiten, Anzahl der Betten, Preise, Kontaktdaten, usw.. Auch die Aufzeichnung von GPS-Tracks fallen – sofern vonnöten – in diese Zeit.

Ca. zwei Wochen vor dem geplanten Tourstart hole ich dann Infos über das vorausichtliche Wetter ein. Wenn es passt, schaue ich, wo ich unbedingt reservieren muss. An den Tagen vor der Tour checke ich die Packliste und trage schon mal die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände zusammen.

6. Welche Ausrüstung darf bei keiner Wanderung fehlen?

Das Wichtigste für mich ist, ausreichend Flüssigkeit dabei zu haben und ohne Handy sowie einem Notfall-Set mit Verbandszeug gehe ich nicht auf Tour. Regenschutz ist bei längeren Touren sowie im Gebirge selbstverständlich. Bei längeren Bergtouren habe ich einen leichten (Notfall-)Biwaksack dabei. Ein wirksamer Sonnenschutz und seit einer Augen-OP vor drei Jahren auch eine Sonnenbrille sind bei mir auf offenen Almflächen sowie generell oberhalb der Waldgrenze Pflicht.

Soweit im Wanderführer nicht jede Abzweigung ausführlich beschrieben ist, gehört auch eine Wanderkarte (Maßstab 1:20000 bis 1:40000) zu meiner Standardausrüstung. Bei Bergtouren dürfen Wanderstöcke zwecks Knieschonung beim Bergabgehen nicht fehlen, auch die Mitnahme eines Hüttenschlafsackes ist nicht verkehrt. Zum Fotografieren nehme ich meist eine Kompaktkamera, manchmal belasse ich es beim Handy – das fotografiert bei gutem Licht auch nicht schlecht.

Triebener Tauern und Seckauer Alpen

7. Hast du Tipps für Wanderanfänger?

Jeder, der mit dem Wandern beginnt, muss erst herausfinden, auf welchen Wegen er sich wohl fühlt. Ich würde davon abraten, gleich dem Leistungswahn zu verfallen und eher mit kürzeren oder mittellangen Touren (mit leichterem Gepäck!) beginnen und im Lauf der Zeit zu steigern, um die eigenen Grenzen auszuloten. Startet man zu heftig, dann endet das meist schmerzhaft und die Freude am Gehen erlischt bald.

8. Wie kam es zur Idee von BernSicht?

Dass ich einen Wanderblog betreibe, ist keinem Plan oder keiner Idee zu verdanken, sondern ist das Resultat einer Spaßaktion meinerseits. Ich wollte einfach wissen, wie der Aufbau einer Website anhand einer Themenvorlage funktioniert und da kam mir die relativ einfache Handhabung von WordPress sehr gelegen.

Als dann die Startseite fertig war, begann ich mit einigen Testbeiträgen, was – von einigen Kleinigkeiten abgesehen – auch ganz gut funktionierte. Daher fasste ich den Entschluss, die Seite öffentlich zu machen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ich muss den Beitrag nur noch einmal schreiben und brauche diesen dann nur noch auf diversen Foren verteilen.

9. Hast du Vorbilder, was das Wandern oder Bloggen angeht?

Nein. Ich denke ich sollte meinen eigenen Weg gehen, wenngleich ich von Beschreibungen in manchen Wanderblogbeiträgen dazu inspiriert werde, einen Weg auf meine To-do-Liste zu setzen. Außerdem bin ich nur Freizeit- und Hobbywanderer, kann mich also mit Wanderprofis, die z.T. sogar davon leben, eher nicht messen.

Was das Bloggen betrifft, könnte  mir ein konkretes Vorbild wenig nützlich sein, weil man es dann vielleicht zu sehr kopiert. Es genügt schon, wenn das gewählte Thema bzw. das Layout mit dem einen oder anderen Blog sehr ähnlich ist. Meinen Schreibstil muss ich selbst finden.

10. Inwiefern hat Wandern dein Leben verändert?

Wenn ich der Großstadt und dem beruflichen Stress entfliehen kann, finde ich mit dem Wandern und Berggehen einen Ausgleich dafür. Ich schätze den Aufenthalt auf ruhigen Almen und in stillen Wäldern mittlerweile sehr. Dort habe ich einfach einen besseren Blick für die Details in der Natur. Anfangs recht zäh kann ich jetzt auch auf zahlreiche Bekanntschaften und Freunde aus der Wanderszene verweisen.

Danke für das Interview, lieber Bernhard!

Die wunderschönen Fotos wurden von BernSicht bereitgestellt.

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